Caroline Kryzecki

Das bevorzugte Darstellungsmedium der in Berlin lebenden Künstlerin ist der Kugelschreiber, den sie ausschließlich mit den im Handel geläufigsten vier Farben – blau, schwarz, rot und grün – verwendet. Bis zu einem gewissen Grad sind Kryzeckis Zeichnungen oder besser Gemälde auf Papier ein Relikt des analogen Schreibens, kalligraphische Übungen mit dem Lineal, welche die Sinnlichkeit des Ornaments genauso wie die Akribie einer Planzeichnung zum Ausdruck bringen. Sie veranschaulichen konzeptuelle Appropriationen und Variationen einer ästhetischen Praxis, die ursprünglich aus einem Produktionsfehler hervorging, dem Moiré-Effekt. Caroline Kryzecki macht eine digitale Fehlfunktion zu einer analogen Produktionsmethodik und dynamisiert die Oberfläche, indem sie zwei gleiche Muster verschoben übereinanderlegt – die Wiederholung wird zum Prinzip der Abweichung innerhalb eines algorithmischen Systems. Die Idee der Phasenverschiebung, die man aus der Musik von Steve Reich kennt, wird hier als Moment der visuellen Irritation eingesetzt. So entstehen autonome Netzwerke, die trotz ihres abstrakten Charakters stets soziale, psychologische und organische Dimensionen evozieren.

Angela Stief